Breitbandprojekt Oerel

In diesen Tagen startet das INTERREG IVC Projekt ENGAGE "Enhancing Next Generation Access Growth in Europe" im Breitband Kompetenz Zentrum Niedersachsen in Osterholz-Scharmbeck. Die Auftaktveranstaltung organisieren die Osterholzer gemeinsam mit dem Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik der Universität Bremen.

Über 30 Teilnehmer aus zwölf europäischen Ländern informieren sich im Rahmen dieses Treffens über innovative Ansätze für eine bessere Breitbanderschließung im ländlichen Raum. Auf der Agenda stehen neben dem Besuch des Breitband Kompetenz Zentrum Niedersachsen, als ein Beispiel für die erfolgreiche Unterstützung der Breitbanderschließung im ländlichen Raum, die Vorstellung des Breitband Forschungsprojekts NuPex an der Bremer Universität, die Darstellung der VDSL2-Erschließung im Nordwesten Niedersachsens durch die EWE Tel und der Besuch des Glasfaserprojektes in Oerel durch die Firma Sacoin GmbH.

Ziel des auf drei Jahre angelegten ENGAGE-Projektes ist es, durch den Austausch von verschiedenen Ideen und Lösungsansätzen zu einem besseren Zugang zu modernen NGA-Hochgeschwindigkeitsnetzen in aktuell unterversorgten Regionen in Europa zu gelangen. Im Fokus des Projektes stehen dabei auch die Umsetzung der Digitalen Agenda für Europa und das Aufzeigen von Einsparpotentialen bei der flächendeckenden Erschließung mit Breitbandzugängen.

INTERREG IVC ist ein von der EU durch EFRE-Mittel unterstütztes Programm zur Förderung der Kooperation und des Wissensaustausches zwischen den verschiedenen Regionen Europas.

Das Breitband Kompetenz Zentrum Niedersachsen in Osterholz-Scharmbeck ist die zentrale Schnittstelle des Landes in allen Fragen zum Breitbandausbau.

 

Eine kleine Gemeinde ganz im Norden des Landkreises Rotenburg schreibt Internet-Geschichte. Und Bürgermeister Helmut Ringe ist mächtig stolz auf das, was er und seine Mitbürger in kaum einem Jahr förmlich aus dem Boden gestampft haben. Breitband ist für die Oereler seit wenigen Tagen kein frommer Wunsch mehr. Fast alle Haushalte wurden an ein Glasfasernetz angeschlossen, das stolze 50 Megabit pro Sekunde schnell ist – in beiden Richtungen.

 

 

Die Oereler waren es leid, im Internet nur auf dem Standstreifen unterwegs zu sein, sagt Helmut Ringe. Die großen Anbieter sahen sich nicht in der Lage, für die ländliche Gemeinde Breitbandangebote zu machen. Für sie lohnen sich die damit verbundenen Investitionen nicht. In vielen ähnlich strukturierten Ortschaften im Kreisgebiet wissen Bürger davon ein Lied zu singen. Sie klagen über das Schneckentempo, mit dem sie von daheim Daten empfangen oder versenden können. Auch der Landkreis bemüht sich vor diesem Hintergrund seit längerem um eine Lösung.

 

Helmut Ringe kam eine solche bei einem Treffen, zu dem das Wirtschaftsministerium und die SPD-Bundestagsfraktion nach Berlin eingeladen hatten. Bei dieser Veranstaltung sei er der einzige Bürgermeister aus dem ehemaligen Regierungsbezirk Lüneburg gewesen. Es sei schade, dass keiner seiner Kollegen den Weg in die Bundeshauptstadt gefunden habe, bedauert Ringen. Seine Gemeinde habe die dort vorgestellten Ideen aufgegriffen und umgesetzt. Nach einer Ausschreibung wurde in der Firma „Sacoin“ ein privater Partner gefunden. Im Rahmen einer „Public Private Partnership“ wurde daraufhin eine Gesellschaft unter dem Namen „Oerel – Unser Ortsnetz GmbH“ gegründet, an der die Gemeinde gut ein Viertel der Anteile hält. Das Unternehmen tritt als Investor und Betreiber auf.


Ende November 2008 fiel der Startschuss – im Oereler Feuerwehrhaus und in Anwesenheit von Niedersachsens Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen und Landrat Hermann Luttmann. In diesem Jahr wurden nun die Glasfaserkabel verlegt und rund 580 Haushalte angeschlossen. Die Netzabdeckung erreiche damit fast 100 Prozent, sagt Helmut Ringe. Ein „Projektstab“ unter Beteiligung der Feuerwehr sowie der örtlichen Vereine habe dafür die Grundlage gelegt. Ohne die vereinte Akquise wäre das Projekt nicht möglich gewesen, betont der Sozialdemokrat.


Die Mühen hätten sich aber gelohnt. So rasant wie in Oerel könne man bundesweit nirgends sonst surfen, glaubt Ringe. Die Hausanschlüsse wurden für die Bürger unentgeltlich erstellt, der Betrieb wird über Gebühren finanziert. Mit 39,90 Euro monatlich sind die Oereler dabei – für Telefon und fürs Hochgeschwindigkeits-Internet. Mit dem Preis, betont der Bürgermeister, bewege man sich im marktüblichen Rahmen. Wer Fernsehen dazu buche, müsse zehn Euro mehr überweisen.


So ganz ohne Reibereien ging die Verwirklichung des Oereler Internettraums dann aber doch nicht über die Bühne. Die Telekom baute nicht eben Brücken, bedauert Ringe. Die Umstellung auf den „Oerel – Unser Ortsnetz“-Betrieb führte dazu, dass die Verwaltung in Oerel drei Tage lang nicht erreichbar war. Und wer von außerhalb versuchte, bei Helmut Ringe anzurufen, wurde auch schon mal von einer Computerstimme abgespeist: „Der Anschluss ist nicht freigeschaltet.“


Um die Netzgeschwindigkeit nach Oerel zu holen, stellten die Techniker eine Verbindung nach Basdahl her. Dort verläuft eine überregionale Internetleitung, die im Zuge eines Pipelinebaus gleich mitverlegt worden war. 


 

Kontakt zum Ortsnetz:

 

www.uo-net.de

Bürgermeister der

Gemeinde Oerel

 

Marco Noetzelmann

Weißdornweg 7

27432 Oerel

 

Tel.: 0172/7829406

Mail: mnoetzelmann@web.de